Privates

Was konnte mir Besseres passieren?

 Rein in die leichten Sportschuhe, die Bauchtasche – sie spielt eine wichtige Rolle – umgeschnallt und los geht es….

Es ist noch früh, die Sonne wärmt aber schon, ich hätte doch nur ein Top statt eines Shirts anziehen sollen. Immer schön beim raschen Laufen die Arme angewinkelt und wechselweise die Fäuste auf- und zugemacht. Das soll noch mehr Kalorien verbrauchen. Probieren kann ja nicht schaden.

Es sind nicht mal hundert Schritte, dann bin ich im Wald, diesem Dom aus hohen Bäumen, wuchernden Büschen und knackig-grünen Pflanzen und Gräsern am Weg. Gaaaaanz tief einatmen und wieder aaaaaaaus. Wenn ich mich auf meinen Atem konzentriere, bleiben andere Gedanken fern. Ich spüre den leichten Wind, rieche dieses Gemisch aus dem Moder vergehender Blätter, dem Duft von Blüten und der würzigen Ausdunstung der Kräuter. Vogelgezwitscher, das tack-tack-tack eines Spechtes, das Rascheln sich bewegender Zweige – und trotzdem ist es eine wunderbare Stille um mich.

Guten Morgen, zarter Giersch und deftige Knoblauchrauke, nickende Brennnessel und sich hochreckendes Klettenlabkraut – bis nachher auf dem Rückweg – siehe Bauchtasche!

Ich verlasse den schattigen Wald und betrete meine „Lieblingslichtung“ – sonnenverwöhntes Plätzchen, sich öffnend auf ein großes Feld, auf dem sich zarte Maispflanzen dem Himmel entgegenrecken. Einen Moment innehalten, dann geht es über die holprigen Furchen. Ich scheuche kleine Falter und eine große Libelle auf und bewundere die Geschwindigkeit, mit der sie sich tänzelnd fortbewegen.

Falter großMittagsschläfchen hummelKohlweißling
Hinter dem Feld laufe ich auf einem Trampelpfad über eine ausgedehnte Wiese, die völlig sich selbst überlassen wird. Die aufsteigende feuchte Wärme hüllt mich ein. Ich stoppe und verfolge erst mit den Augen, dann mit den Füßen einen braun-bunten Falter, der sich schließlich majestätisch auf einer zierlichen Ehrenpreisrispe niederlässt.

Welch einladendes Motiv! Die Bauchtasche – das Handy raus – rangepirscht bis auf ein, zwei Meter und „Klick“, das erste Foto des Tages ist im Kasten. Viele werden folgen. Mit einer schussbereiten Linse, „sehe“ ich ganz anders, bewusster. Mir fällt ein kleiner hellblauer Schmetterling auf, durch das hohe Gras verfolge ich ihn hartnäckig, aber er hat scheinbar schon gefrühstückt, keinen Zweck, er lässt sich nicht nieder. Schade.

Mein Ziel ist der riesige Fleck mit Vogelmiere im gegenüberliegenden Wald. Brauche ich heute, für meine Kartoffelsuppe. Gleich in der Nachbarschaft zierliche Vergißmeinicht – willkommen, ihr dekorativen Blüten zum Verzehr.

Nun ein kurzes Stück auf einer Straße aufwärts. Was ist denn da passiert? Der allerfrüheste Apfelbaum weit und breit ist nur noch ein Stumpen mit noch einem aufragenden Ast. Wieviele Früchte habe ich hier im vergangenen Jahr geerntet! Der dicke Stamm ist stark beschädigt, Äste liegen verstreut umher. Hoffentlich war es nichts Schlimmes.

Auf der angrenzenden brachen Fläche habe ich bereits vieles fotografiert, was ich so nicht woanders sah. Heute sind es der stolze Wiesenehrenpreis mit seinen tiefblauen Rispen als Konkurrenz zu einer stolzen Lilie einige Meter weiter. Ich folge einem honigsüßen Duft und finde eine blühende Robinie. Neben einem zergehenden Haufen Gartenabfälle nickt mir eine rosa Akelei freundlich zu – und dort noch eine dunkelblaue. Eine fröhliche Ansammlung anmutiger Blüten, man muss sie nur finden!

Ehrenpreis20140523_121101AkeleiHummel

Gleich den Weg weiter hoch bin ich beim nächsten Objekt meiner Begierde: jetzt fängt endlich die Traubenkirsche zu blühen an und erfüllt die Umgebung mit ihrem unvergleichlichen Duft. Vorsichtig einige Blüten abgezupft – die Bauchtasche – die Papiertüte. Das wird einen einzigartigen Zucker ergeben zum Aromatisieren von Süßspeisen.

Diese Foto- und Pflückpausen sind mir sehr willkommen bei meinem strammen Lauf.

Landschaft IILandschaftschnecke

Zurück über das Maisfeld, im Galopp vorbei an lockenden harzigduftenden Kiefern und Fichtenwipferln – ein anderes Mal, nicht heute für leckeren Tannensirup!

Der willkommen-kühle Wald präsentiert mir im Vorbeigehen sein Angebot: Brennnesselspitzen, die mir nichts tun, wenn ich sie richtig pflücke. Zarte Knoblauchrauke kommt hinzu, die sich gerade erst öffnenden Blätter von Giersch, ich finde noch Knospen von Löwenzahn und begrüße die ersten Dolden von Holunder. Nein, nicht heute, es ist noch Zeit bis zum Ausbacken zum Kaffee! Aber hier, die filigranen Blätter von Brombeeren und Himbeeren, ehe ich auf meinen Weg nachhause einschwenke. Im Vorbeigehen locken mich rosa Blüten von Heckenrosen zum Foto-Stop – eine dicke Hummel liegt vollgepumpt auf einer riesigen Löwenzahnblüte und hält einen frühen Mittagsschlaf.

Muss ich nicht dankbar sein für diese Stunde, die alle meine Sinne angesprochen hat?

Was konnte mir Besseres passieren als mein Umzug nach Schwerin…….

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